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Das heimliche Mikrofon im Wohnzimmer

Das heimliche Mikrofon im Wohnzimmer
Früher war nicht alles schlecht

Einen TV verkauft man einmal. Die Nutzungsdaten verkauft man über die gesamte Lebensdauer des Geräts. Und ich scheitere gerade, mir einen neuen TV zu kaufen.

In Vergleichstest wird oft LG empfohlen. Der Hersteller ist für mich raus. Der YouTube-Kanal Gamers Nexus hat mit Sicherheitsforschern mehrere LG-Modelle auseinandergenommen. Die Geräte scannen das Heimnetz nach allen anderen Geräten und sammeln Namen und Signalstärken der WLAN-Netze in der Nachbarschaft. Das eingebaute Fernfeldmikrofon hört nach einem Sprachbefehl noch zehn bis fünfzehn Sekunden weiter mit und versteht Sprache aus achtzehn Metern Entfernung. Es nimmt auch dann auf, wenn der Fernseher aus zu sein scheint. Trennt man ihn vom Netz, speichert er lokal und lädt später hoch.

Für viele ist Sprachsteuerung praktisch. Man sagt der Fernbedienung, sie soll umschalten, und sie schaltet um. Für LG ist es noch praktischer. Einen Fernseher verkauft man einmal. Die Nutzungsdaten verkauft man über die gesamte Lebensdauer des Geräts. In den USA übersteigen die Werbeerlöse der Hersteller inzwischen das Geschäft mit der Hardware.

Steht alles in den AGBs

In den Nutzungsbedingungen steht das alles. Sie umfassen mehr als 30.000 Wörter. Ein Detail daraus: LG erklärt es zur Aufgabe der Kund:innen, die Einwilligung aller Gäste und Familienmitglieder einzuholen, deren Stimmen das Gerät mitschneidet. Kinder eingeschlossen. Das ist mir echt zu blöd.

Nun leben wir in Deutschland, und das dürfte hier nicht legal sein. Aber wer schaut genau hin? Es läuft wie bei den Spanner-Brillen von Meta. Der Verstoß liegt offen zutage. Solange ihn niemand verfolgt, haben Unternehmen Narrenfreiheit. 

In Texas hat der Generalstaatsanwalt LG immerhin verklagt und im Mai einen Vergleich erzielt. Die Messungen von Gamers Nexus stammen aus der Zeit danach. Bei Samsung wäre ich übrigens nicht besser aufgehoben. In der texanischen Klage stand der Konzern gleich mit drin, neben Sony, Hisense und TCL.

Also bleibe ich bei meinem alten Gerät. Das hat noch kein eingebautes Mikrofon, und das Sammeln von Werbedaten habe ich mühsam in den Einstellungen abgeschaltet. Bei jedem Softwareupdate muss ich aufpassen, dass mir das nicht durch irreführende Dialoge wieder untergejubelt wird.

Ich hätte gerne moderne Technik, der ich vertrauen kann. Dafür setzen wir uns beim Zentrum für Digitalrechte und Demokratie ein.