Wie aus einer re:publica eine andere gemacht wird
1243 Sprecher:innen. 27 Bühnen. Und in manchen Medien lese ich danach über eine ganz andere re:publica. Über eine, auf der angeblich nur eine Meinung erlaubt war.
Die vergangene re:publica war sehr vielfältig. In der medialen Rezeption findet sich oft eine andere Erzählung – und die verrät einiges über mediale Mechanismen. Auch das war übrigens ein Thema auf unseren Bühnen.
In manchen Texten beschweren sich Leute darüber, was sie alles bei uns ertragen mussten: Gendersensible Toiletten! Ein Awareness-Team, falls mal etwas passiert! Vegetarisches Essen statt Fleisch! Wir nennen das eine Nachhaltigkeitsstrategie und machen es bewusst und mit Aufmerksamkeit, weil wir für alle Teilnehmenden ein offener und sicherer Ort sein wollen.
Es tut niemandem weh. Außer offensichtlich denen, die sich ohnehin kein Ticket kaufen würden und nur mit Presse-Akkreditierung vorbei kommen, um ihre Ressentiments anschließend in Texte zu gießen.
Und immer sind Frauen die Zielscheibe
Interessant ist auch, wie unser Programm in eine politische Ecke gerückt werden soll. Dann werden gern einzelne Personen herausgegriffen, und das sind in der Regel Frauen. Luisa Neubauer, Carolin Emcke und Maja Göpel sind drei von vielen hundert oft sehr starken und immer engagierten Frauen, die bei uns auf der Bühne standen.
Als beliebte Zielscheiben rechter Empörungsunternehmer darf der Verweis auf sie nicht fehlen – als Beweis, welche ideologische Veranstaltung das angeblich gewesen sein soll. Frauen, die sich für Menschenrechte und für eine lebenswerte Welt einsetzen.
Dass man zu jeder Stunde auch konservative Stimmen mit ihren Meinungen und Perspektiven erleben konnte, wird dann gern ausgelassen. Es passt halt nicht ins Narrativ.
Wir hatten Digitalminister Karsten Wildberger, Familienministerin Karin Prien, den CDU-MEP Axel Voss, den CSU-Wissenschaftsminister Markus Blume, den schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther mit seinem Digitalisierungsminister Dirk Schröter, die parlamentarischen Staatssekretäre Thomas Jarzombek und Philipp Amthor und unsere Alt-Kanzlerin Angela Merkel – um nur einige zu nennen.
Die re:publica steht für einen konstruktiven Dialog mit vielen Perspektiven.
Wir stehen für einen konstruktiven Dialog über die Themen der digitalen Transformation und wollen möglichst viele Perspektiven aus dem gesamten demokratischen Spektrum sichtbar machen und einbinden.
Wichtig war uns auch, dem Hass und der digitalen Gewalt gegen Frauen einen großen Raum zu geben. Unser Motto „Never gonna give you up" schließt all jene ein, die im Namen einer vermeintlichen Meinungsfreiheit wegen ihrer Meinungen aus dem öffentlichen Diskurs gehetzt werden sollen.
Nur ein Beispiel: Wieder beliebtes Zielobjekt vieler Hater ist die ZDF-Journalistin Nicole Diekmann. Sie saß auf einem Panel zum Zustand von Social Media und verwies darauf, wie nützlich es wäre, wenn Plattformen früher gute Werkzeuge zum Selbst-Blocking angeboten hätten – so wie Bluesky es heute tut.
Konkret meinte sie damit: Auf Bluesky kann jede:r die eigenen Blocklisten selbst verwalten und persönlich auswählen, was im eigenen Feed landet und was nicht. Das ist keine staatliche Zensur, das ist eine bewusste, persönliche Entscheidung. Und ich möchte in einer Welt leben, in der ich genau das selbst entscheiden darf.
Daraus wurde in den üblichen Rechtsaußen-Medien: Eine ZDF-Journalistin habe staatliche Zensur gefordert. Es ist traurig, wie viele Menschen das dann unkritisch übernehmen.
Genau deshalb ist es so wichtig, Menschen eine Bühne zu geben, die diese Mechanismen beschreiben und sich für eine bessere Diskussionskultur engagieren. Damit am Ende nicht die gewinnen, die am meisten Desinformation und Polarisierung betreiben. Es geht hier um unsere Demokratie.
Die nächste re:publica findet vom 10.–12. Mai wieder in Berlin statt. Sehr viele Videos der vergangenen Ausgabe gibt es bereits auf unserem YouTube-Kanal.
Bildet euch gern eine eigene Meinung.
Und hier ist meine Keynote vom ersten Tag.