Bitte schön lächeln
Die vergangenen Tage gab es wieder einige sehr spannende journalistische Recherchen, die ich in dieser Ausgabe gerne teile.
Die Nachrichtenagentur Reuters hat ein US-Cable zugespielt bekommen. Darin fordert die US-Regierung ihre Botschaften weltweit auf, alle nationalen Initiativen für Datensouveränität zu bekämpfen und ihre eigene KI-Vormachtstellung zu verteidigen.
Das war für mich nicht besonders überraschend, weil es schon während der Verhandlungen rund um die Datenschutzgrundverordnung den Spruch gab, dass mit der US-Regierung ein weiterer Mitgliedstaat am Tisch saß, weil diese sich überall einmischte und ihre Interessen durchsetzte. Aber trotzdem ist das wieder ein guter Weckruf für mehr Motivation in Sachen digitaler Souveränität.
Bitte schön lächeln
Die Aufnahmen der neuen smarten Brillen aus dem Hause Meta und Ray-Ban werden nicht nur automatisiert von der Meta-KI, sondern auch von fremden Menschen angesehen. Das schwedische Medium Svenska Dagbladet hat Einblicke in die Arbeit von kenianischen Clickworker erhalten, die bei Subunternehmen für Meta arbeiten.
Das überrascht mich auch nicht, denn wir wissen bereits seit der Amazon Alexa, dass im Hintergrund Clickworker immer Zugriff auf alle Daten haben. Denn die Unternehmen wollen ja auch herausfinden, wie die eigenen Dienste genutzt werden und ob alles funktioniert.
Die Unternehmen suggerieren natürlich in ihrer Kommunikation, dass unsere Privatsphäre selbstverständlich geschützt sei. Denn wer stellt sich schon ein Gerät ins Schlafzimmer, wenn einem bewusst ist, dass da fremde Menschen mithören können - z.B. wenn man unbeabsichtigt den Mitschnitt einschaltet?
Ich träume seit Kindheitstagen von einer smarten Brille. Aber die aktuellen Produkte werde ich nicht aufsetzen, weil ich den Unternehmen und ihren Technologien nicht vertrauen kann.
Überwachung im Iran und bei uns
Das iranische Regime verteidigt seine Macht schon lange mit vielfältigen Überwachungs- und Kontrollinfrastrukturen. Das Recherche-Netzwerk Forbidden Stories hat über einen Whistleblower detaillierte Einblicke in die aktuellen Überwachungsmaßnahmen erhalten. Dazu zählt auch eine biometrische Videoüberwachung und eine ausführliche Auswertung über alle möglichen Kanäle, wer mit wem wann und wo in Kontakt steht.
Hier anschaulich von ZDF Frontal erklärt:
Wer jetzt denkt, das ist alles sehr weit weg: Zumindest laut den Plänen unseres Bundesinnenministers sollen mit dem Sicherheitspaket alle diese Maßnahmen auch bei uns eingeführt werden. Von der Vorratsdatenspeicherung über biometrische Videoüberwachung bis hin zu Palantir-Auswertung. Pessimistisch gesagt baut man damit einen schlüsselfertigen Überwachungsstaat für eine potentiell zukünftige AfD-Regierung.
Ich hatte vor vielen Jahren mal ein interessantes Gespräch dazu. Ein damaliger Bundespräsident hatte einen Bericht über iranische Proteste und die Niederschlagung mit Überwachungstechnologien in der Zeitung gelesen und wollte einen Gesprächspartner dazu haben. Ich wurde ins Schloß Bellevue eingeladen und saß nun da mit unserem Bundespräsidenten und erklärte ihm, wie das Regime mit welcher Technologie und welchen Strategien wie vorgeht, um größtmögliche Kontrolle auszuüben.
Das ging so lange gut, bis ich ihm erklärte, dass bestimmte Maßnahmen unserer Vorratsdatenspeicherung entsprechen würden und wir das teilweise auch schon hätten. Er war leider ein großer Fan der Vorratsdatenspeicherung.
Ein Tag im Leben eines Entshittificators
Die norwegische Verbraucherzentrale erklärt in einem humoristischen Video das Konzept von Entshittification. Der Begriff wurde von dem Science Fiction Autor Cory Doctorow geprägt und beschreibt Unternehmenspraktiken, im Laufe der Zeit immer mehr die eignen Services zu verschlechtern und mehr Geld rauspressen zu können. Toll umgesetzt und zumindest in englischer Sprache für uns auch verständlich.
Cory Doctorow kommt auch in diesem Jahr wieder zur re:publica und wird über das Thema sprechen. Die re:publica findet vom 18.-20. Mai wieder in Berlin statt. Die kommende Woche verbringe ich weitgehend damit, das Programm mit meinem Team fertig zu stellen.
Du hast kein Geld für ein re:publica - Ticket oder einfach nur Lust, mitzumachen und hinter die Kulissen zu schauen? Der Call for Volunteers ist gestartet, um sich als freiwillige Helfer:in anzumelden.

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Danke fürs Lesen, ich wünsche noch einen schönen Tag. Feedback und Hinweise gerne mir direkt schicken.
Viele Grüße
Markus
