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Wer archiviert, gestaltet die Zukunft

Wer archiviert, gestaltet die Zukunft
Foto von @raymond@social.cologne

Demokratie und Gedächtnis in der digitalen Öffentlichkeit


Das ist das Transcript einer Keynote beim AK Offene Archive im Kölner Stadtarchiv, den ich am 9.6.26 gehalten habe.

Ich freue mich, hier zu sein. Bei einer Konferenz, die „Offene Archive" heißt, an einem Ort, an dem Menschen zusammenkommen, die sich beruflich, wissenschaftlich, ehrenamtlich oder politisch mit Erinnerung beschäftigen.

Das klingt freundlich. Offen. Nach Zugänglichkeit, Partizipation, Vielfalt. Alles richtig. Aber ich möchte heute mit etwas anfangen, das nicht freundlich ist.

Ich möchte mit Löschung anfangen. Mit dem, was verschwindet, wenn die falschen Leute an die Schalter kommen. Nicht irgendwann und leider auch nicht theoretisch. Sondern vor unseren Augen.

Nach der Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus wurden in den USA staatliche Webseiten aufgeräumt. So nannte man das natürlich nicht. Es hieß nicht: Wir löschen jetzt Spuren politisch unerwünschter Themen. Es hieß: neue Prioritäten und eine neue Sprache. Einfach nur eine neue Regierungslinie.

Und dann verschwanden Informationen. Zu Klima. Zu Gesundheit. Zu Diversität. Zu Trans-Personen. Zu all den Themen, die nicht mehr zur politischen Erzählung passten. Und die aus ideologischen Gründen aus dem kollektiven Gedächtnis verschwinden sollen.

Manche Seiten waren weg. Manche wurden umgeschrieben. Manche Datenbanken gingen offline. Manchmal wurde später etwas wiederhergestellt. Manchmal nicht. Oft blieb nur eine Fehlermeldung. Manchmal blieb die Wayback Machine. Mutige Beamte, die sich widersetzten, wurden entlassen.

Das klingt nach Kulturkampf. Das ist aber auch Archivpolitik. Denn wenn eine Regierung nicht nur neue Politik macht, sondern alte Informationen aus der Öffentlichkeit entfernt, dann geht es nicht mehr nur um Zukunft. Es geht dann darum, die Vergangenheit neu zu sortieren.

Eine Webseite ist schnell geändert. Ein PDF ist schnell ersetzt. Ein Datensatz ist schnell offline. Eine Pressemitteilung ist schnell aus dem CMS genommen. Ein Begriff ist schnell aus der Navigation verschwunden.

Und wenn niemand vorher kopiert hat, wenn niemand nachweisen kann, was dort gestern noch stand, dann wird aus Regierungskommunikation plötzlich ein Radiergummi.

Kein amerikanisches Problem

Wir sollten nicht so tun, als sei das ein amerikanisches Problem. Das ist der bequeme Reflex. Trump, USA, ein anderes System, alles sehr weit weg. Leider nicht.

Wir sind in Deutschland nicht immun gegen autoritäre Politik. Wir haben keinen eingebauten Demokratieschutz, der automatisch verhindert, dass Menschen mit einem feindlichen Verhältnis zu Grundrechten, Minderheitenschutz, unabhängigen Medien und pluraler Erinnerung Macht bekommen.

In Sachsen-Anhalt und in Mecklenburg-Vorpommern wird bald gewählt. Die AfD liegt dort in Umfragen sehr weit vorne. In einer Größenordnung, bei der man nicht mehr nur über Protest redet, sondern über Macht. Es kann sein, dass sie bald Ministerien, Behörden und die Haushalte kontrolliert. Und damit auch Archive.

Wir wissen nicht genau, was passieren würde, wenn eine rechtsextreme Partei in einem Bundesland Regierungsapparat und Verwaltung prägt. Aber wir wissen genug über autoritäre Politik, um uns nicht überraschen zu lassen.

Autoritäre Politik interessiert sich immer für Erinnerung. Dafür, welche Begriffe verwendet werden. Welche Akten zugänglich sind. Welche Geschichten erzählt werden. Welche Opfer vorkommen - und welche nicht. Welche Wissenschaft als ideologisch markiert wird.

Das beginnt vielleicht nicht mit dem großen Verbot, sondern kleiner. Mit einer neuen Hauslinie. Mit einer Liste von Begriffen, die nicht mehr verwendet werden sollen. Mit der Frage, warum diese Broschüre eigentlich noch online ist. Mit dem Budgetposten, der nicht verlängert wird. Mit der Behauptung, das sei doch alles nur Verwaltung.

Aber Verwaltung ist nie nur Verwaltung. Verwaltung produziert Wirklichkeit. Sie schreibt auf, sortiert, benennt, speichert, veröffentlicht, sperrt, löscht. Und Archive sind die Orte, an denen diese Wirklichkeit später noch überprüfbar wird.

Darum geht es mir heute. Ich möchte nicht über Archive als hübsche Orte der Vergangenheit sprechen. Ich möchte über Archive als demokratische Infrastruktur sprechen. Als Beweissicherung, als Schutz vor Geschichtsumschreibung, als Gegengewicht zu Macht. Und als Plan B für Zeiten, in denen der Plan A nicht mehr funktioniert.

Archive sind nicht neutral. Sie sind beweissicher.

Archive werden gern mit Neutralität verbunden. Und das hat gute Gründe. Sie sollen nicht tagespolitische Stimmung speichern, nicht Akten nach Sympathie bewerten, nicht als Propagandaabteilung funktionieren. Sie brauchen Regeln und Distanz.

Aber „neutral" wird schnell falsch verstanden. Neutral heißt nicht unpolitisch oder gleichgültig. Neutral heißt nicht: Wir schauen zu, wenn Inhalte verschwinden, weil eine Regierung sie nicht mehr mag.

Neutralität im demokratischen Sinne heißt: Es gibt Verfahren und Kriterien. Es gibt eine Pflicht zur Überlieferung und einen Schutz vor Willkür. Es gibt die Möglichkeit, später noch zu prüfen, was war.

Archive sind also nicht neutral, weil sie außerhalb der Demokratie stehen. Sie sind demokratisch wichtig, weil sie Macht nicht erlauben, allein über ihre Spuren zu verfügen.

Das ist ein ziemlich radikaler Gedanke, wenn man ihn ernst nimmt. Ein Ministerium darf Politik ändern. Eine Regierung darf Schwerpunkte verschieben. Aber sie darf nicht einfach die eigene Vergangenheit entsorgen, als hätte es sie nie gegeben.

Dafür gibt es Archive und Aktenführung. Dafür gibt es Informationsfreiheit. Und das ist demokratische Machtkontrolle.

Wir reden oft über Gewaltenteilung: Wir haben Parlamente, Gerichte, Regierungen und freie Medien. Wir sollten öfter über Gedächtnisteilung sprechen. Wer darf speichern und wer darf löschen? Wer entscheidet, was relevant ist? Wer kontrolliert die Systeme, wer bekommt Zugang - und wer wird ausgeschlossen?

Das sind alles Demokratiefragen. Denn ohne Überlieferung gibt es keine Rechenschaft. Ohne Rechenschaft gibt es keine Kontrolle. Und ohne Kontrolle wird Macht vergesslich, genau dort, wo sie es bequem findet.

Das Web ist kein Archiv

Viele verwechseln das Internet noch immer mit einem Archiv. Sie denken: Was einmal online war, ist irgendwie noch da.

Das stimmt nicht. Das Web ist kein Archiv. Das Web ist eine Gegenwartsmaschine. Gebaut für Aktualisierung, nicht für Erinnerung. Für Reichweite, nicht für Nachweisbarkeit. Das hat Vor- und Nachteile: Die Partyfotos aus der Jugend sind irgendwann hoffentlich verschwunden.

Eine URL kann heute da sein und morgen nicht mehr erreichbar sein. Eine Website hat heute interessante Informationen und kann morgen ganz anders sein. Ein Social-Media-Post sieht öffentlich aus, aber er kann gelöscht, gedrosselt, versteckt oder kontextlos gemacht werden.

Das ist der Normalzustand und deshalb müssen wir aufhören, digitale Öffentlichkeit so zu behandeln, als würde sie sich selbst bewahren. Tut sie nicht.

Das Netz vergisst nicht, heißt es immer. Das war schon immer Quatsch. Das Netz vergisst ständig. Mein erstes Blog ist schon lange verschwunden, ich finde leider auch auf meinen Festplatten kein Backup mehr. Das Vergessen ist leider nicht gerecht, nicht transparent und nicht demokratisch.

Manches verschwindet sofort. Manches bleibt für immer. Manches wird von Plattformen gelöscht. Vieles landet in KI-Trainingsdaten. Manches ist in der Wayback Machine. Vieles nicht.

Das Problem ist nicht, dass zu wenig gespeichert wird. Das Problem ist die Schieflage: Öffentliche Rechenschaft verschwindet schnell. Privates Verhalten wird dauerhaft verwertet.

Bundesarchiv, Nationalbibliothek — und die Lücke dazwischen

Natürlich fangen wir nicht bei null an. Es gibt das Bundesarchiv, Landesarchive, kommunale Archive, die Deutsche Nationalbibliothek, Fachcommunities, Standards, Menschen, die seit Jahren genau an diesen Fragen arbeiten. Sie kennen die Herausforderungen besser als ich. ´

Das Bundesarchiv hat den Auftrag, Unterlagen des Bundes dauerhaft zu sichern und nutzbar zu machen. Die Nationalbibliothek sammelt Websites im Rahmen ihres gesetzlichen Auftrags. Soweit wie möglich. Das ist wichtig.

Aber es reicht nicht. Nicht, weil die Institutionen schlecht arbeiten. Sondern weil die digitale Öffentlichkeit schneller, fragmentierter und abhängiger von privaten Infrastrukturen geworden ist, als unser institutionelles Gedächtnis hinterherkommt.

Die Presseseite eines Ministeriums ist noch einfach. Aber was ist mit dem X-Account einer Ministerin? Mit dem YouTube-Livestream einer Pressekonferenz? Mit TikTok-Videos aus dem Wahlkampf? Mit gelöschten Posts und nachträglichen Änderungen? Mit Desinformation, die kurz vor einer Wahl viral geht und danach verschwindet? Mit Messengern, in denen öffentliche Kommunikation stattfindet, obwohl sie privat aussieht?

Das ist die aktuelle politische Öffentlichkeit. Und wenn politische Öffentlichkeit dort stattfindet, dann muss Archivpolitik dort eine Antwort haben. Im Moment ist die Antwort oft: schwierig. Das stimmt. Aber „schwierig" ist keine Strategie.

Das Internet Archive: ein Wunder. Und ein Skandal.

Und dann gibt es das Internet Archive. Fast alle hier haben sicher schon die Wayback Machine benutzt. Für diesen kurzen Moment, in dem man denkt: Moment mal, das stand doch früher anders da. Und meistens stimmt das dann auch.

Die Wayback Machine ist eine der wichtigsten Gedächtnismaschinen des Netzes. Ohne sie wären viele politische Löschungen einfach weg. Nicht umstritten. Nicht rekonstruierbar. Weg. In meiner journalistischen Arbeit ist die Wayback Machine eine sehr wichtige Recherchequelle.

Das Beeindruckende ist: Es funktioniert. Das Beunruhigende ist: Es hängt an einer gemeinnützigen Organisation in den USA. Chronisch unterfinanziert gemessen an ihrer Aufgabe. Juristisch immer wieder angegriffen, erst von den Buchverlagen, dann von der Musikindustrie. Dann von der Trump-Regierung. Abhängig von Spenden und Ausdauer.

Ich sage das mit großer Bewunderung. Ohne das Internet Archive sähe unser digitales Gedächtnis sehr viel schlechter aus. Es ist ein zivilgesellschaftliches Weltwunder.

Aber Bewunderung ersetzt keine Politik. Warum gibt es keine europäische Struktur, die ähnlich sichtbar, nutzbar und selbstverständlich ist? Warum gibt es keine dauerhafte öffentliche Finanzierung für Webarchivierung als demokratische Grundversorgung? Warum reden wir bei digitaler Souveränität über Cloud, Chips und KI - aber so selten über das Gedächtnis des Netzes?

Das Internet Archive ist ein Wunder. Aber Demokratien sollten ihr Gedächtnis nicht auf Wunder bauen.

Die falschen Archive sind die größten

Es gibt noch eine unangenehme Pointe. Während öffentliche Archive darum kämpfen, Webseiten sauber zu sichern, archivieren andere längst alles.

Google. Meta. TikTok. Apple. Microsoft. Amazon. Dazu Datenbroker und Werbenetzwerke. Das sind die großen Archive unserer Gegenwart. Nur nennen sie sich nicht so.

Dort liegen unsere Fotos. Unsere Suchanfragen. Unsere Bewegungen. Unsere Nachrichten. Unsere Gesichter. Unsere Orte. Unsere Gewohnheiten. Unsere politischen Interessen. Dort liegt dort mehr über unser Leben, als irgendein Archiv je über frühere Generationen wusste.

Aber diese Archive gehören nicht uns. Sie sind nicht gebaut worden, damit Gesellschaft sich selbst verstehen kann. Nicht, damit Historikerinnen nachvollziehen können, wie öffentliche Meinung entstand. Nicht, damit Journalist:innen Macht kontrollieren können. Sie sind gebaut worden, damit Verhalten messbar und vorhersagbar wird. Verkaufbar.

Das ist der Unterschied. Ein öffentliches Archiv muss erklären, warum es sammelt. Es muss schützen, erschließen, zugänglich machen, Rechenschaft ermöglichen. Ein Plattformarchiv sammelt, weil es kann. Und wir können nicht hineinsehen.

Wir wissen aber: Diese Daten sind wertvoll. Für Werbung, für KI, für Staaten, für Sicherheitsbehörden, für alle, die Menschen sortieren, bewerten oder beeinflussen wollen. Und wenn sie bei US-Konzernen liegen, dann liegen sie in einem rechtlichen Raum, den wir nicht kontrollieren. Unsere Daten dort sind Vogelfrei. Es reicht, die geopolitischen Machtverhältnisse nüchtern anzuschauen.

Die demokratischen Archive sind unterfinanziert. Die Überwachungsarchive sind hochprofitabel. Das ist die Schieflage. Und deshalb ist die Archivfrage auch eine Machtfrage.

Wer besitzt die umfassendsten Archive über unser Leben? Die ehrliche Antwort ist unbequem: nicht die Archive, nicht die Bibliotheken, - sondern eine Handvoll globaler Plattformkonzerne, teilweise in der Hand einzelner Personen wie Mark Zuckerberg oder Elon Musk.

Das ist keine Archivierung im demokratischen Sinne, sondern eine Überlieferung ohne Öffentlichkeit. Gedächtnis ohne Rechenschaft und Erinnerung als Extraktion.

Öffentliche Kommunikation darf Plattformen nutzen. Sie darf dort nicht wohnen.

Damit sind wir bei einem praktischen Problem. Warum kommunizieren Behörden, Rundfunkanstalten, Parlamente, Museen, Universitäten noch immer so selbstverständlich nur über kommerzielle Plattformen? Warum ist die eigene Website oft nur die Ablage, während die eigentliche Öffentlichkeit auf Instagram, TikTok, X oder YouTube stattfindet?

Ich verstehe das Argument: Dort sind die Menschen und dort ist Reichweite. Und ja, manchmal erreicht man Menschen eben dort, wo sie sind. Ich sage nicht: Geht da alle sofort weg. Das wäre zu einfach. Ich bin aus den Gründen auch dort aktiv.

Aber daraus darf keine Abhängigkeit werden. Wenn eine Behörde etwas Relevantes veröffentlicht, dann muss es zuerst — oder zumindest gleichzeitig — auf einer öffentlichen, stabilen, zitierfähigen, archivierbaren Infrastruktur liegen. Eine eigene Website oder ein offenes Videoarchiv. Auf jeden Fall stabile URLs und Maschinenlesbarkeit.

Das darf kein Screenshot-Friedhof sein und kein PDF-Labyrinth. Kein „Das haben wir damals auf Twitter gepostet, aber der Account ist weg".

Darum schlage ich ein einfaches Prinzip vor: Plus 1. Jede öffentliche Stelle, die eine kommerzielle Plattform bespielt, bespielt zusätzlich mindestens eine gemeinwohlorientierte, offene Alternative. Nicht als Pilotprojekt für besonders motivierte Pressestellen mit Schaufensterwirkung. Sondern als Standard. Wer auf X ist, muss auch im Fediverse sein!

Das wäre kein symbolischer Akt. Es wäre Reichweitenpolitik für offene Systeme. Es wäre Resilienzpolitik und es wäre Archivpolitik. Denn was auf offener Infrastruktur veröffentlicht wird, kann besser gesichert, gespiegelt, migriert und langfristig zugänglich gemacht werden.

Informationsfreiheit endet nicht beim Antrag

Ein Seitenblick auf das Informationsfreiheitsgesetz. Das klingt erst wie ein anderes Thema. Ist es nicht.

Informationsfreiheit heißt: Bürger;innen können Zugang zu amtlichen Informationen verlangen, ohne nachweisen zu müssen, dass sie wichtig genug sind. Der Staat muss begründen, warum er etwas nicht herausgibt. Das ist ein demokratischer Fortschritt. Übrigens noch nicht mal eine Generation alt. 2005 erst geschaffen.

Aber in Deutschland ist Informationsfreiheit zu oft ein Hindernislauf: Anträge, Fristen, Gebühren, Schwärzungen, Zuständigkeits-Pingpong, manchmal einfach schlechte Aktenführung. Ich könnte Stunden über meine Erfahrungen als Journalist erzählen und all die Tricks erklären, mir Informationen vorzuhalten.

Vor allem: Informationsfreiheit hilft nur, wenn Informationen noch existieren. Ein Recht auf Zugang nützt wenig, wenn die Daten verschwunden sind. Ein IFG-Antrag nützt wenig, wenn die relevante Entscheidung in einem Chat oder einer Cloudablage steckt, die niemand dokumentiert hat. Fragen Sie mal Ursula von der Leyen, wie das geht.

Ein Archiv, das alles sichert, aber nichts zugänglich macht, erfüllt seinen Zweck nur halb. Und Informationsfreiheit ohne Archivierung wird schnell zu einem Recht auf leere Ordner.

Deshalb gehören diese Debatten zusammen: Archivrecht, Informationsfreiheit, Transparenzgesetz, digitale Aktenführung, Langzeitarchivierung. Diese fünf Reformbaustellen führen zu einer gemeinsamen Frage: Kann die Öffentlichkeit nachvollziehen, was öffentliche Macht tut?

Ich glaube, wir brauchen auf Bundesebene endlich ein echtes Transparenzgesetz. Nicht nur den reaktiven Zugang auf Antrag, sondern eine
proaktive Veröffentlichung: maschinenlesbar, natürlich durchsuchbar und archivfähig.

Mit Ausnahmen, natürlich: Datenschutz, Sicherheit und die berechtigten Schutzinteressen. Die Grundrichtung muss sich umkehren: Nicht die Bürger:innen müssen begründen, warum sie etwas wissen wollen. Der Staat muss begründen, warum er es nicht von sich aus veröffentlicht. Und dann muss er es so veröffentlichen, dass es bleibt.

Cloud ist kein Archivkonzept

Damit kommen wir zu einem Punkt, der technisch klingt, aber zutiefst politisch ist: Infrastruktur. Ein demokratisches Gedächtnis besteht nicht nur aus Akten und Webseiten. Es besteht auch aus den Systemen, in denen all das gespeichert, beschrieben, durchsucht und migriert wird. Und genau hier entscheidet sich digitale Souveränität.

Wenn das Langzeitarchiv auf einem proprietären Cloud-Stack, bei Unternehmen wie Google, Microsoft oder Amazon AWS, liegt, ist die digitale Souveränität verloren, bevor das erste Dokument gesichert ist. Nicht, weil jede Cloud schlecht wäre. Sondern weil Archive in einer anderen Zeitrechnung leben als Konzerne. Ein Archiv denkt in Jahrzehnten, manchmal in Jahrhunderten. Ein Konzern denkt in Produkten und Preismodellen. Dazu kommen immer die nächsten Quartalszahlen.

Heute heißt der Dienst so, morgen anders. Dann wird die API geändert. Dann der Preis. Dann kommt ein neues Lizenzmodell. Dann braucht man ein Enterprise-Paket. Aus Beschaffung wird Abhängigkeit, aus Komfort wird Lock-in. Und dann wird aus Modernisierung Kontrollverlust.

Was die Allgemeinheit bezahlt und für die Ewigkeit aufbewahrt, darf nicht dauerhaft von der Preis- und Produktpolitik eines Konzerns abhängen. Dazu kommen noch geopolitische Risiken, dass Donald Trump über Exportkontrollen und Sanktionen Ihre Infrastrukturen abschalten lassen kann.

Deshalb brauchen öffentliche Gedächtnisinstitutionen offene Standards, offene Schnittstellen, quelloffene Software, dokumentierte Datenmodelle und Exit-Strategien. Das ist die nüchterne Voraussetzung demokratischer Handlungsfähigkeit.

Wer für fünf Jahre beschafft, kann hoffen, dass der Anbieter bleibt. Wer für hundert Jahre bewahren will, darf das nicht hoffen, sondern muss planen.

Wir finanzieren offene Infrastruktur oft wie ein Experiment. Hier ein kleiner Leuchtturm, dort ein kleiner Fördertopf. Wir müssten sie finanzieren wie Daseinsvorsorge. Denn ein Kommunalarchiv kann nicht nebenbei eine Open-Source-Community koordinieren, und ein Stadtarchiv kann nicht jedes Dateiformat allein retten.

Diese Einrichtungen brauchen Werkzeuge, die funktionieren, sie brauchen gemeinsame Ökosysteme — mit Wartung, Usability und Support. Open Source heißt nicht kostenlos. Open Source heißt, dass die Öffentlichkeit nicht dauerhaft in Abhängigkeit gezwungen wird. Das ist ein Unterschied, den manche Haushälter noch lernen müssen.

KI kann helfen. Aber nicht als Black Box.

Und dann kommt KI. Natürlich kommt KI. In Archiven liegen riesige Chancen: Texterkennung, Transkription, Verschlagwortung, semantische Suche. Bestände, die faktisch unsichtbar waren, können auffindbar werden. Barrieren können sinken. Das ist großartig, und wir sollten es nutzen.

Aber nicht naiv. Denn Erschließung ist nicht neutral. Wer verschlagwortet, ordnet. Wer ordnet, deutet. Wer deutet, prägt, was spätere Generationen finden, und was nicht.

Wenn wir Black-Box-KI über unsere Archive laufen lassen, lagern wir nicht nur Verarbeitung aus. Wir lagern auch Deutungshoheit aus. Wenn ein proprietäres Modell entscheidet, welche Begriffe zu einem Dokument passen, welche Personen erkannt, welche Zusammenhänge vorgeschlagen werden, dann ist das kein rein technischer Vorgang. Damit wird in die spätere Wahrnehmung von Geschichte eingegriffen.

Natürlich kann KI Fehler machen, Menschen machen das auch. Der Unterschied est aber: Bei menschlicher Erschließung gibt es Verantwortung, Dokumentation, Kritik und Korrektur. Bei Black-Box-Systemen gibt es oft nur Ergebnislisten und Vertrauen. Vertrauen ist aber keine Archivstrategie.

Wir brauchen offene oder zumindest nachvollziehbare Modelle, lokale Betriebsoptionen für sensible Bestände, Transparenz über den KI-Einsatz und Menschen, die am Ende Verantwortung übernehmen. KI kann Archive öffnen. Aber sie darf sie nicht enteignen.

Europa muss mehr sein

Das Web hält sich nicht an Zuständigkeitsgrenzen. Desinformation stoppt nicht an Bundesländern. Eine Kampagne kann in Moskau beginnen, über Telegram laufen, auf TikTok viral gehen, in deutschen Facebook-Gruppen landen, dort von journalistischen Medien aufgenommen werden und am Ende in einer Landtagsdebatte auftauchen.

Wie archiviert man so etwas? Und wer macht das? Aktuell vor allem unterfinanzierte zivilgesellschaftliche Organisationen mit viel Engagement, aber ungewisser Zukunft.

Wir brauchen hier mehr europäische Kooperation: gemeinsame Crawling-Infrastrukturen, gemeinsame Standards, geteilte Notfallverfahren - im Idealfall eine europäische Antwort auf die Fragilität des Internet Archive. Es gibt internationale Netzwerke und sehr viel Fachwissen. Aber politisch ist das noch nicht groß genug.

Digitale Souveränität des Gedächtnisses gelingt nicht kleinstaatlich, sie muss europäisch gedacht werden. Und Europa hätte die besten Gründe: Wir haben Datenschutz, eine Tradition öffentlicher Gedächtnisinstitutionen und die historische Erfahrung, was es heißt, wenn Geschichte manipuliert, wenn Akten vernichtet werden.

Wir haben eine Dezentralität, wie notfalls auch Entwicklungen wie im früheren Ungarn mit berücksichtigen kann. Gerade deshalb ist es erstaunlich, wie leichtfertig wir digitale Erinnerung privaten Plattformen überlassen.

Plattformen müssen liefern

Ein letzter Punkt zur Technik: Wir brauchen gesetzliche Schnittstellen bei Plattformen und nicht nur freiwillige Transparenzberichte. Nicht nur APIs, die Unternehmen nach Lust und Laune schließen oder unbezahlbar machen.

Wenn Plattformen zentrale Räume öffentlicher Kommunikation sind, müssen sie auch öffentliche Kontroll- und Archivierungsinteressen berücksichtigen. Der Digital Services Act ist ein Anfang. Er schafft in der Theorie Datenzugänge für Forschung und erkennt an, dass sehr große Plattformen keine normalen Unternehmen sind. Der Data Act adressiert Interoperabilität und Wechselmöglichkeiten. Das sind theoretische Hebel. Wir sollten sie nutzen: Archivierungszwecke müssen explizit in Plattformregulierung und Interoperabilitätsstandards aufgenommen werden. Auch wenn mit Zöllen gedroht wird.

Öffentliche Kommunikation auf Plattformen muss exportierbar sein — mit Zeitstempeln, Metadaten, Versionen, Löschinformationen, in maschinenlesbaren Formaten. Natürlich muss Datenschutz gelten. Aber Datenschutz darf nicht zur Ausrede werden, um Plattformmacht unangreifbar zu machen. Wir müssen beides können: Menschen schützen und Macht dokumentieren.

Archive brauchen einen Plan B

Kommen wir zurück zur Ausgangsfrage. Was passiert, wenn die politische Macht wechselt? Wenn eine neue Regierung beschließt, dass bestimmte Themen nicht mehr vorkommen sollen? Wenn Webseiten bereinigt, Social-Media-Accounts gelöscht, Förderprogramme, Gleichstellungsberichte oder Statistiken plötzlich unauffindbar werden?

Dann reicht es nicht, wenn Archive sagen: Wir hätten da grundsätzlich einen Auftrag. Dann braucht es Verfahren. Vorher.

Archive brauchen einen Plan B. Und ich meine das sehr praktisch: Welche digitalen Quellen sind bei Regierungswechseln besonders gefährdet? Welche Ministeriumswebseiten müssen vor und nach Wahlen gecrawlt werden? Wer darf Notfall-Crawls auslösen? Wo liegen die Kopien? Welche rechtliche Rückendeckung gibt es, wenn eine politische Leitung Löschung verlangt? Welche Allianzen gibt es mit Wissenschaft, Journalismus und Zivilgesellschaft?

Das klingt vielleicht dramatisch. Aber es ist weniger dramatisch, so etwas vorher zu planen, als hinterher zu sagen: Hätten wir mal. Wir haben Notfallpläne für Feuer, für Wasser, für Stromausfälle, hoffentlich auch für Cyberangriffe. Wir brauchen Notfallpläne für autoritäre Eingriffe in das digitale Gedächtnis.

Antifaschistische Archivarbeit

Ich möchte das, was ich gerade beschrieben habe, beim Namen nennen. Faschistische und autoritäre Politik will Erinnerung kontrollieren. Sie will bestimmte Gruppen unsichtbar machen. Sie will Sprache verschieben, Akten sperren, Wissenschaft delegitimieren, Medien einschüchtern, Geschichte umschreiben. Sie will am Ende sagen können: Das war nicht so. Das gab es nicht. Diese Menschen zählen nicht. Diese Gewalt war Notwehr. Diese Fakten sind Ideologie.

Dagegen hilft keine Archivromantik, sondern dagegen helfen Institutionen, die Spuren sichern: Dokumente, Webseiten, Posts, Bilder, Daten, Kontext, Versionen. Die langweilige, genaue, mühsame Arbeit der Überlieferung ist in solchen Zeiten nicht langweilig. Sie ist eine Verteidigungslinie.

Und das ist der entscheidende Punkt: Diese Arbeit verlangt keine bestimmte Parteizugehörigkeit. Sie verlangt keine geteilte private Meinung. Sie verlangt nur, dass man den eigenen Beruf ernst nimmt: Vollständigkeit, Integrität, Zugänglichkeit, Schutz. Genau deshalb können sich auch Menschen darauf verständigen, die politisch sonst wenig teilen. Es ist Berufsethik und keine Gesinnung.

Wenn man diese Berufsethik in einer Zeit ernst nimmt, in der autoritäre Kräfte an die Schalter drängen, dann ist sie - nüchtern betrachtet - antifaschistische Praxis.

Ich weiß, dass dieses Wort in Deutschland sofort Reflexe auslöst. Manche finden es selbstverständlich, andere zu aktivistisch, wieder andere tun so, als sei schon das Wort verdächtig. Ich benutze es trotzdem. Weil es genau beschreibt, was diese Arbeit leistet. Und weil das Grundgesetz antifaschistisch geprägt und gemeint ist.

Archivarbeit ist nicht antifaschistisch, weil Archivarinnen privat die richtigen Meinungen haben. Sie ist antifaschistisch, wenn sie verhindert, dass Macht die Vergangenheit säubert. Sie ist antifaschistisch, wenn sie marginalisierte Perspektiven nicht wieder aus der Überlieferung fallen lässt. Sie ist antifaschistisch, wenn sie Gewalt dokumentiert. Sie ist antifaschistisch, wenn sie Löschung nicht mit Aktualisierung verwechselt. Sie ist antifaschistisch, wenn sie sagt: Nein, das verschwindet nicht einfach.

Archive werden die Demokratie nicht allein retten. Das wäre eine Überforderung. Aber ohne Archive wird es sehr viel leichter, Demokratie umzuschreiben.

Wer kommt eigentlich vor?

Offene Archive heißen nicht nur: mehr Inhalte ins Netz. Offene Archive heißen auch: Wer wird gesammelt? Wer wird beschrieben? Wer findet sich in der Überlieferung wieder und wer bleibt wieder draußen?

Die klassische staatliche Überlieferung hat einen Bias zur Macht. Das ist logisch: Der Staat produziert Akten über sich selbst. Aber Gesellschaft ist mehr als Staat. Protestbewegungen, migrantische Communities, queere Geschichte, die Behindertenbewegung, lokale Initiativen, die Klimabewegung. Blogs, Foren, kleine Medien, Erinnerungsinitiativen.

All das ist Teil der Gegenwart. Und wenn wir es nicht sichern, wird spätere Geschichte wieder aussehen, als hätten nur Institutionen gehandelt.

Bürger:innenarchive sind deshalb kein nettes Beteiligungsformat, sondern Korrekturinfrastruktur. Sie bringen Perspektiven in die Überlieferung, die sonst fehlen. Aber auch sie brauchen Unterstützung: rechtliche Beratung, technische Werkzeuge, Speicher, Sichtbarkeit, Schutz und Geld. Und manchmal auch Abstand zu staatlichen Institutionen. Gerade dort, wo Communities schlechte Erfahrungen mit Staat und Verwaltung gemacht haben.

Offenheit heißt nicht: Alle geben ihre Daten brav in ein großes öffentliches System. Offenheit heißt: Es gibt vielfältige Orte der Erinnerung. Und diese Orte können miteinander sprechen, sich vernetzen, ohne gleich vereinnahmt zu werden.

Digitale Langzeitarchivierung ist Daseinsvorsorge

Wir reden über Strom, Wasser, Straßen, Krankenhäuser und nennen das zu Recht. kritische Infrastruktur. Wenn der Strom ausfällt, merkt man es sofort. Wenn eine Brücke gesperrt wird, merkt man es sofort. Gerade bei Rheinbrücken, wie hier in Köln.

Wenn gesellschaftliches Gedächtnis ausfällt, merkt man es oft erst später. Das macht es politisch so gefährlich. Der Ausfall riecht nicht. Er blinkt nicht. Man sieht ihn nicht wie eine kaputte Brücke.

Er kommt als 404, als verlorener Link. Als nicht mehr auffindbare Studie, als gelöschter Post, als Datenbank, die niemand mehr starten kann. Als Streit, den die Macht gewinnt, weil niemand mehr beweisen kann, was war.

Digitale Langzeitarchivierung ist Daseinsvorsorge. Nicht im metaphorischen Sinne, sondern im wörtlichen. Eine demokratische Gesellschaft braucht Gedächtnis, um aus Fehlern zu lernen. Um Verantwortung zuzuweisen. Um Minderheiten nicht immer wieder aus der Geschichte fallen zu lassen. Um zu erkennen, wann alte Muster wiederkehren.

Wer die Vergangenheit nicht sichert, nimmt der Zukunft die Möglichkeit, aus ihr zu lernen. Das ist öffentliche Grundversorgung. Und dann müssen wir auch so darüber reden, nicht als Digitalisierungsprojekt und auch nicht als freiwillige Aufgabe für Haushaltsreste, sondern als Infrastruktur. Mit Budgets, Personal, Standards, politischer Rückendeckung und europäischer Kooperation.

Was jetzt zu tun ist

Die Frage ist: Was folgt daraus?

Erstens: archivierungstauglich kommunizieren - nach dem Plus-1-Prinzip. Stabile URLs, offene Formate, vollständige Metadaten, eigene Infrastruktur. Und jede öffentliche Stelle, die kommerzielle Plattformen nutzt, bespielt zusätzlich offene, gemeinwohlorientierte Kanäle. Das sollte nicht weiter das Hobby einzelner Digitalbeauftragter sein, sondern eine Pflicht.

Zweitens: Web- und Social-Media-Archivierung mit klarem Mandat -und eine europäische Webarchiv-Infrastruktur. Öffentliche Kommunikation auf Plattformen muss exportierbar und langfristig sicherbar sein. Und wir müssen Initiativen wie das Internet Archive politisch schützen und ergänzen: durch eine sichtbare, robuste, dauerhaft finanzierte europäische Struktur. ´

Drittens: offene Software und offene Standards statt Cloud-Lock-in - strukturell gefördert. Keine proprietären Sackgassen, aus denen man die eigene Geschichte nicht mehr herausbekommt. Und wo KI zum Einsatz kommt: sie sollte nachvollziehbar und lokal betreibbar sein, immer mit menschlicher Verantwortung. Keine Black Box über dem kulturellen Gedächtnis.

Viertens: Informationsfreiheit und Archivierung zusammendenken. Ein echtes Transparenzgesetz auf Bundesebene gehört zur demokratischen Gedächtnispolitik. Sichern und zugänglich machen sind keine Gegensätze.

Fünftens: Notfallpläne für autoritäre Szenarien. Vor Wahlen, nach Wahlen, bei Regierungswechseln, bei politischen Angriffen - mit klaren Verfahren, Zuständigkeiten und Allianzen. Bevor es ernst wird, nicht danach.

Schluss

Ich komme zum Anfang zurück.

In den USA haben wir gesehen, wie schnell digitale Informationen verschwinden, wenn sie politisch nicht mehr passen. Wir sollten daraus lernen: Nicht mit Überheblichkeit. Nicht mit dem Reflex: Bei uns doch nicht. Sondern mit der nüchternen Frage: Was wäre unser Plan?

Was machen wir, wenn Webseiten verschwinden? Wenn Behördenkommunikation bereinigt wird? Wenn Begriffe aus Dokumenten verschwinden? Wenn Studien, Statistiken und Leitlinien plötzlich nicht mehr auffindbar sind? Was machen wir, wenn eine autoritäre Regierung nicht als Erstes Akten verbrennt, sondern CMS-Zugänge nutzt?

In der Gegenwart braucht die digitale Säuberung keine Fackeln mehr, sondern nur noch einen Login.

Und dagegen braucht Demokratie Menschen, die wissen, was zu sichern ist. Menschen, die nicht erst anfangen, wenn alles vorbei ist. Menschen, die Verfahren haben. Menschen, die widersprechen können. Menschen, die sagen: Diese Spur bleibt.

Archive sind keine Nebenschauplätze der Demokratie. Sie sind Orte, an denen entschieden wird, ob Macht später noch überprüfbar ist. Orte, an denen Gesellschaft mehr über sich behalten kann als das, was Konzerne verwerten wollen. Orte, an denen Erinnerung nicht nur von Gewinnern geschrieben wird. Orte, an denen Zukunft eine Chance bekommt, aus der Vergangenheit zu lernen.

Wer archiviert, gestaltet die Zukunft. Was Sie heute sichern oder verlieren, entscheidet darüber, was kommende Generationen wissen, prüfen und in Frage stellen können. Das ist eine große Aufgabe - wahrscheinlich eine zu große für die Mittel, die Archive heute bekommen. Aber sicher keine, die kleiner wird, wenn wir sie ignorieren.

Ich fürchte, die nächsten Jahre werden ungemütlich. Für demokratische Institutionen, für Wissenschaft, für Medien, für Zivilgesellschaft, für Minderheiten - und für Archive. Genau deshalb ist diese Arbeit so wichtig.

Archive werden die Demokratie nicht allein retten. Aber ohne Archive wird es sehr viel leichter, sie umzuschreiben.

Vielen Dank und viel Spaß.

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